„Der Puli polarisiert!“ – sagte einmal eine deutsche Pulizüchterin zu mir. Und damit hatte sie zweifellos recht.
Ein ungewöhnlicher Hund mit wenig Bekanntheit
Die Hunderasse Puli war nie wirklich in Mode oder in der Öffentlichkeit besonders bekannt. Zwar kennt fast jeder diese eigenwillig aussehenden Hunde mit ihren langen Zotten, die viele an einen Wischmopp erinnern – aber wie sie heißen und was für eine besondere Art von Hund dahintersteckt, wissen meist nur echte Hundefans.
Prominente wie Heinz Rühmann, Thomas Gottschalk oder auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg besaßen einen Puli – doch zur großen Popularität hat selbst das kaum beigetragen.
Ein Hütehund mit jahrhundertealter Tradition
Am bekanntesten sind die Pulik (so der ungarische Plural) sicherlich in ihrer Heimat Ungarn, wo sie über Jahrhunderte hinweg als Hütehunde eingesetzt wurden – ob für Hühner, Kühe oder Schafe.
Allerdings trägt gerade dieser Ruf als Arbeitshund heute dazu bei, dass sich selbst viele Ungarn den Puli kaum als typischen Familienhund vorstellen können. Häufig gelten sie als schmutzig, ständig bellend, bissig und schwer erziehbar.
Und ja – all das ist irgendwie wahr. Und gleichzeitig auch nicht.

Schmutz, Zotten, Bellen – das Klischee
Ein Arbeitshund, der den ganzen Tag Schafe durch die Puszta treibt, ist natürlich kein besonders sauberer Hund. Sein zottiges Fell schützt ihn im harten Arbeitsalltag vor Sonne, Regen und Kälte – und federt sogar so manchen Huftritt von Kuh oder Schaf ab. Gleichzeitig ist es aber auch ein Magnet für Schmutz, Staub und Pflanzenteile, die sich darin verfangen.
Auch stimmt es, dass der Puli gerne lautstark und ausdauernd bellt – schließlich muss das Schaf irgendwie darüber informiert werden, dass es sich auf dem falschen Weg befindet. Und wenn es nicht hört, dann muss es fühlen – der Puli erledigt das durch ein beherztes „Zwicken“ in die Hinterläufe.

Intelligent, selbstständig, manchmal stur
Ein Hütehund wie der Puli muss eigenständig Entscheidungen treffen können. Wenn der Hirte sagt, dass die Herde durch ein bestimmtes Gatter gehen soll, kann der Puli nicht ständig nachfragen, wie das konkret umzusetzen ist. In gewisser Weise übernimmt er die Rolle des „mittleren Managements“, das die Anweisungen des menschlichen Chefs in die Tat umsetzt. Dazu braucht es nicht nur Intelligenz, sondern auch Durchsetzungsvermögen – und gelegentlich eine ordentliche Portion Sturheit.
Der Puli als Familienhund – anders, aber lohnenswert
Wer sich jedoch für einen Puli als Familienhund entscheidet, wird feststellen, dass sich einiges verändert. Sicher, so ein langhaariger Hund erfordert mehr Pflege als viele Kurzhaarrassen – aber meiner Meinung nach ist es längst nicht so aufwändig, wie oft angenommen. Bürsten oder Kämmen darf man einen Puli ohnehin nicht, da sein Fell in typische Schnüre oder Zotten verfilzt. Und es ist durchaus unterhaltsam, was man alles im Fell seines Pulis wiederfinden kann.
Mit Humor und Konsequenz zum Familienmitglied
Humor ist generell ein unverzichtbares Hilfsmittel im Zusammenleben mit einem Puli – vor allem angesichts seiner anderen Charaktereigenschaften. Mit guter Erziehung kann man ihm beibringen, dass ständiges Bellen nicht nötig ist. Ganz leise wird er zwar nie – aber er lernt, sich zu mäßigen. Auch das Zwicken lässt sich gut in den Griff bekommen: Mein Puli Irka-Firka beschränkt sich heute darauf, uns gelegentlich mit der Nase anzustupsen.
Ein kluger Kopf mit eigenem Willen
Seine Intelligenz ist auch im Familienalltag ein echter Vorteil. Pulik begreifen Zusammenhänge schnell, lernen Kommandos in erstaunlich kurzer Zeit und wirken im Alltag oft, als würden sie wirklich „mitdenken“.
Allerdings entwickeln sie auch gern ihre eigene Meinung – und lassen sich davon nicht leicht abbringen. In solchen Momenten hilft nur noch Humor und die Erkenntnis, dass man einen Hund mit Ecken und Kanten an seiner Seite hat.
Liebe auf vier Pfoten – der emotionale Puli
Fast alle Pulibesitzer berichten davon, wie liebevoll diese Hunde mit ihren Menschen umgehen. Das Band zwischen Puli und Mensch scheint ein ganz besonderes zu sein – stabil, tief und von echter Zuneigung geprägt. Als Hütehund ist er stets um seine Liebsten besorgt und überschüttet sie mit Aufmerksamkeit. Auch Kindern gegenüber zeigt sich der Puli ausgesprochen freundlich. Ein ungarischer Züchter sagte einmal zu mir: „They are real lovebombs!“ – und das kann ich nur bestätigen. Und das gleicht jedes nächtliche Bellkonzert locker wieder aus.


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